Alles aus (m)einer Hand

Posted in: f-media- Jul 26, 2001 No Comments

NNN 26.07.2001

Harald Lochotzke schreibt mit Focus Media in Rostock Baugeschichte

Eine Investition von 250 Millionen Mark wird den Rostocker Vögenteichplatz zum neuen Zentrum der Stadt machen. Mit Deutsche Med, Focus Media und Rostock Academy sollen auf drei Baufeldern über 50 000 Quadratmeter Geschossfläche modernster Büroraum entstehen. “Wir machen Rostock zu einem Topstandort Deutschlands”, sagt Investor Harald Lochotzke. Denn: “Rostock. Das ist es!”, so sein Motto.
Von Ulrich Vetter
Harald Lochotzke, der in Rostock in den letzten Jahren etwa 40 Millionen Mark jährlich in Büro-, Wohn- und Gewerbeflächen investiert hat, will mehr. “Wir bieten Standortmarketing, nicht nur Büros”, sagt der promovierte ökonom. Seine Internetseiten machen deutlich, was er meint. Neben den zahlreichen Gewerbeimmobilien – (Werbeslogan: Büros. Büros. Büros.) – finden sich Links zur Arbeitsplatzsituation in der Region, zu Qualifikation, Aus- und Weiterbildung. “Wer sich an uns wendet, wird umfassend beraten”, erklärt Lochotzke sein Unternehmenskonzept. überhaupt wird Service und das Lösen von Problemen bei ihm groß geschrieben, so ist “kein Problem!” auch seine Standardreaktion auf Fragen und Bedenken.
Mit Fragen und Bedenken ist der ehemalige Leistungssportler (Kanurennsport) zur Zeit reichlich konfrontiert. Seine Pläne für die Bebauung des Vögenteichplatzes spalten die öffentlichkeit. “Zu gigantisch”, nörgeln die Traditionalisten, die hanseatisches Flair lieber sähen als ein New York an der Warnow. “Was wir brauchen ist Wirtschaftswachstum, sind vermarktbare Flächen zu Top-Konditionen”, hält der Projektentwickler dagegen.
Höchste Qualität zu niedrigem Preis
Um höchste Qualität zu niedrigstem Preis anbieten zu können, “muss ich nicht nur rechnen”, sagt Lochotzke, “sondern muss effektiver und besser sein als andere Anbieter.” Nur wenn er einem Unternehmen beweisen könne, dass es beim Mieten von Gewerberaum bei ihm in Millionenhöhe spare, würde es sich auch aus Hamburg, München oder Berlin nach Rostock bewegen lassen.
Um diese Top-Konditionen zu erreichen, lässt Lochotzke alles in einer Hand – in seiner. Nur spezielle Ingenieurleistungen würden delegiert (übrigens ausschließlich an Firmen der Region), “alles andere machen wir selbst”. Seiner Methode bleibt er treu: “Wir zerlegen alles bis ins Detail, um den Prozess zu verstehen, analysieren und konzipieren das Produkt neu”. So schaffe er Gewerbeimmobilien nicht nur zu geringeren Kosten als die Konkurrenz, sondern auch mit höherer Qualität.
Stararchitekt Helmut Jahn (Sony-Center) zeigte sich von Lochotzke-Baustellen in Rostock beeindruckt. Besser organisierte habe der Deutsch-Amerikaner mit Büro in Chicago nirgendwo gesehen. Die Glasfassade seines neuesten Bürohauses, Am Strande, hat Lochotzke eigens entwerfen lassen, inklusive Montagetechnologie. Auch ein völlig neuartiges Modul, mit dem sich je nach Bürogröße und Ansprüchen alle Versorgungsleitungen wie Heizung, Strom und Telekommunikation maßgerecht einbauen lassen, tragen seine Handschrift.
Der neue Vögenteich, Lochotzkes bisher größtes Projekt, werde Rostock einen Schub verpassen und architektonisch für Aufsehen sorgen. über 3000 neue Arbeitsplätze sind Harald Lochotzkes ehrgeiziges Ziel, und dass Deutsche Med, Focus Media und Rostock Academy Sightseeing-Attraktionen werden, dafür sorge Helmut Jahn, den Lochotzke als Architekt für den Vögenteich begeistern konnte, mit seinen lichtdurchfluteten Palästen aus Glas und Stahl.
Die A 20 allein bewirkt nichts
Auf 23 000 Quadratmetern bietet Focus Media mitten in der Stadt Gewerbeflächen für “saubere Produktion” der IT-Branche. 12 000 Quadratmeter stehen in der Rostock Academy für Firmen zur Verfügung, um sich präsentieren und ihren Nachwuchs qualifizieren zu können. “Dabei denken wir weit über Rostock hinaus”, sagt der Unternehmer, der ganz Deutschland und den skandinavischen Raum im Visier hat. Mit der Deutschen Med schließlich entsteht erstmals ein ganzheitliches medizinisches Versorgungscenter vom Hausarzt bis zum Spezialisten. Leistungen, die vom Kassenpatienten ebenso in Anspruch genommen werden könnten wie vom Selbstzahler, dem einige tausend Mark jährlich für die Gesundheit nicht zu viel seien. Dass dieser Markt existiere, sei durch Studien belegt, so Lochotzke.
“Dieser Mann hat Ideen”, schwärmen seine Freunde, anderen scheinen die Pläne “utopisch”. Die Rostocker Immobilienbranche jedenfalls traut ihm zu, auch dieses große Rad zu drehen. Ihr Schade wäre es nicht, denn Flächen dieser Größenordnung kann derzeit niemand anbieten. ähnlich sieht es die Stadt. Intern hatte die Stadtverwaltung längst grünes Licht gegeben. Zwei Baufelder hatte Lochotzke bereits erworben, für das dritte erhielt er soeben den Zuschlag durch die Bürgerschaft. Bessere Konzepte für den Vögenteich, wo vor zehn Jahren der monströse Teleport scheiterte, seien nicht ansatzweise in Sicht, heißt es im Bereich des Bausenators.
Mit seiner jüngsten öffentlichen Bemerkung, dass Rostock über zwei internationale Flughäfen verfüge: Rostock-Fuhlsbüttel und Rostock-Tegel hat Lochotzke Verblüffung provoziert. Solche Momente genießt er. “Aber im ernst: Auf der A 20 ist man unter Umständen schneller von Fuhlsbüttel in Rostock als am anderen Ende von Hamburg, aber dann muss Rostock auch eine Topadresse sein. Die A 20 allein bewirkt nichts.” Für Lochotzke eine normale Sache, eben seine Art Standortmarketing zu betreiben.

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