Visionen eines Bauherren: Glaspaläste inmitten von …

Posted in: f-media- Jan 18, 2001 No Comments

Immobilien-Zeitung 18.01.2001

Rostocker Investor will mit Helmut Jahn bauen

Keinen Geringeren als den deutsch-amerikanischen Stararchitekten Helmut Jahn suchte sich der Rostocker Investor Harald Lochotzke, um seiner Idee für die Bebauung von drei Grundstücken Gestalt zu verleihen. Für 200 Mio. DM will er der City der Hansestadt 55.000 m² Bürofläche und ein 14.000 m² großes Gesundheitszentrum bescheren. Dass seine Pläne auch Wirklichkeit werden, daran zweifelt Harald Lochotzke nicht.

„Haus der Pioniere” steht in großen Lettern über dem Eingang der schmucken Gründerzeitvilla in der Rosa-Luxemburg-Straße 3. Hier residiert die Harald Lochotzke Projektentwicklung GmbH. Der Name des Hauses, ein Relikt aus DDR-Zeiten, könnte treffender kaum sein, um den Chef des Unternehmens zu charakterisieren. Denn wenn der dynamische Hansestädter eines hat, dann ist es Pioniergeist. Und nicht nur das: Lochotzke ist ein Mann, der Ideen auch Taten folgen lässt. So gelang es dem Chef der 1990 gegründeten Firma, die gerade einmal vier feste Mitarbeiter zählt, eine lokale Größe unter den Rostocker Bauherrn zu werden.
Zahlreiche Projekte hat er in den letzten Jahren in seiner Heimatstadt entwickelt. Lag der Schwerpunkt seiner Tätigkeit anfangs bei der Sanierung von Bestandsgebäuden, realisiert Lochotzke inzwischen auch Neubauvorhaben. Zu seinen aktuellen Projekten gehört unter anderem ein 5.000 m² großes Bürohaus an dem Fluss Unter Warnow. Summa summarum kommt Lochotzke bei seinen Gewerbebauten auf 50.000 m² Bürofläche, wenn er die Objekte zusammenrechnet, die er bislang realisiert hat.
Diese Zahl könnte sich mit einem Schlag verdoppeln, wenn auch die jüngste Idee des umtriebigen Mittvierzigers umgesetzt wird. Mit der geplanten Bebauung von drei Grundstücken an der Straßenkreuzung August-Bebel-Straße / Am Vögenteich denkt Lochotzke in Dimensionen, die man in der 200.000-Einwohner-Stadt nicht oft gesehen hat. Getreu dem Motto „Think big” suchte er sich mit Helmut Jahn einen der bekanntesten internationalen Architekten, um seinem Projekt Kontur und seiner Idee Nachdruck zu verleihen.
In trockenen Tüchern ist das Vorhaben allerdings noch nicht, denn bislang hat Lochotzkes Gesellschaft nur zwei der drei benötigten Baufelder erworben. Das 10.000 m² große Filetgrundstück vis-á-vis dem Verwaltungsgebäude der Ostdeutschen Sparkasse ist von der Stadt noch nicht zum Verkauf ausgeschrieben. Und unter welchen Bedingungen das Areal veräußert wird, ist bis jetzt nicht geklärt. Darüber, was geschieht, wenn der Deal nicht zustande kommen sollte, denkt der künftige Großinvestor lieber nicht nach. Statt dessen erläutert er seine weiteren Pläne: Auf der anderen Seite der August-Bebel-Straße ist das zweite Bürohaus geplant. Beide Gebäude werden zusammen eine Nutzfläche von 55.000 m² haben.
An der Straßenkreuzung soll schließlich noch das 14.000 m² große Gesundheitszentrum gebaut werden, dessen gegenüberliegende Gebäudeflügel durch ein großzügiges Atrium verbunden werden. Fachärzte, deren Praxen untereinander vernetzt sind, und ein umfassendes Wellnessangebot schweben Lochotzke hier vor. Unter dem Namen „Deutsche Med” könnte das Gesundheitszentrum im Jahr 2003 eröffnet werden.
Die Lage der Baufelder des Projekts ist nicht nur zentral, sondern auch verkehrsgünstig. Nur einen Steinwurf sind die Flurstücke vom Kröpeliner Tor entfernt, das den westlichen Eingang zur historischen Stadtmitte markiert. Zu Fuß sind es zum Hauptbahnhof nur wenige Minuten und die Fußgängerzone in der Kröpeliner Straße, der Haupteinkaufsmeile der Rostocker, liegt quasi vor der Tür. Über die A 19 besteht eine hervorragende Anbindung nach Berlin, und ebenso gut erreichbar ist Hamburg über die frisch fertiggestellte A 20. Ohne Stau schafft man es zu beiden Städten in gut anderthalb Stunden. „Eine bessere Lage findet man in Rostock nicht”, ist sich denn auch Harald Lochotzke sicher.
Von der Nähe zu den beiden Metropolen Berlin und Hamburg will er bei seinem Vorhaben, das er „Focus Media” taufte, profitieren. Mit günstigen Mieten ab 18 DM/m² hofft er jungen, expansionsfreudigen Unternehmen aus der IT-Branche den Standort Rostock schmackhaft machen zu können. „Wer hier eine Fläche von 10.000 m² mietet, spart bei uns im Vergleich zu Hamburg oder Berlin ohne weiteres 2,2 Mio. DM im Jahr”, rechnet Lochotzke vor. Damit mag er recht haben, jedenfalls, wenn man die Mietpreise für einen vergleichsweise zentralen Standort an Spree oder Alster zugrunde legt.
Auch die spektakuläre Glasarchitektur Helmut Jahns soll dazu beitragen, die Vermarktungschancen für das Projekt zu erhöhen. Die lichtdurchfluteten Büroetagen werden weitestgehend stützenfrei gebaut und können modernen Standards entsprechend beliebig nach Mieterwünschen unterteilt werden.
Dass die gläserne Architektur Jahn im Kontrast zur typischen Backsteingotik der Hansestadt steht, scheint die Rostocker Gemüter nicht weiter zu erregen. Die ursprüngliche Bebauung des Gebietes jenseits der alten Stadtmauern ist durch die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und die Neubauten der DDR- und Nachwendezeit ohnehin nicht mehr als homogenes Ganzes erhalten. So betrachtet man die Pläne im Rathaus mit Wohlwollen und ist zudem voll des Lobes für den Bauherrn Lochotzke. Der steht im Ruf, ein zuverlässiger Investor zu sein und viel für die Stadt getan zu haben. Harald Lochotzke, so scheint es, hat also allen Grund, optimistisch zu sein: Mit dem Stararchitekten Helmut Jahn als Zugpferd könnte ihm sein bisher größter Coup gelingen. (mv)

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