Die gläserne Zukunft

Posted in: f-media- Dez 16, 2000 No Comments

Ostsee-Zeitung 16.12.2000

US-Stararchitekt hinterläßt seine Spuren in den Metropolen der Welt. Nun gewann ihn der Unternehmer Harald Lochotzke für die Hansestadt Rostock. Hier will der Meister des gläsernen Designs in der Stadtmitte ein Gesundheitszentrum und ein Bürohaus errichten – ein Gebäudekomplex der Zukunft.

Eine neue Bürowelt soll sich in Rostock etablieren. Ein futuristischer Gebäudekomplex ganz aus Glas und Metall wird wird mitten im Stadtzentrum entstehen. Entworfen vom US-Stararchitekten Helmut Jahn (60), der wegen seiner gläsernen Hochhäuser in aller Welt auch “Turmvater Jahn” genannt wird. Er baut in Shanghai, in Bankok, in Chicago und Brüssel. Und auch in Deutschland ist der gebürtige Nürnberger aktiv. So tragen u.a. die Flughäfen in Köln-Bonn und München, der Turm der Deutschen Post in Bonn und das Sony-Center in Berlin seine Handschrift. Nun will der Architekt des 21.Jahrhunderts, wie ihn die Branche bezeichnet, seine Spuren auch in Rostock hinterlassen.
Hergeholt hat ihn der Rostocker Projektentwickler Dr. Harald Lochotzke. “Ich habe ihn in Chicago angerufen und ziemlich klar unsere Anforderungen an einen langfristig verwertbaren Bürokomplex umrissen”, erinnert sich Lochotzke an das Gespräch im August des Jahres. Nach zweieinhalb Stunden Telefonat habe sich der Architekt die Internetpräsentation der Projektentwicklungs GmbH angesehen und prompt zugesagt:”In zwei Wochen treffen wir uns beide in Berlin.”
Inzwischen liegen die Entwürfe auf dem Tisch. Vor drei Tagen war Jahn hier, besah sich die künftige Baustelle am Vögenteichplatz in Rostock. Hier wird im Frühjahr nächsten Jahres mit dem Bau eines riesigen Gesundheitscenters begonnen. “Deutsche Med” nennt es Lochotzke, der unter diesem Markenzeichen “eine völlig neue Idee medizinischer Rundumbetreuung” anbieten will. Eine umfassende “Praxisklinik”, in der Diagnostik, Therapie, ambulante Operationen, Tages-Reha unter einem Glasdach vereint und die Ärzte miteinander vernetzt sind. Auf insgesamt 14.000 Quadratmetern entstehen Arztpraxen.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite entsteht ein fünfstöckiges transparentes Bürohaus mit 55.000 Quadratmeter Bürofläche. “Beste Qualität zu einem guten Mietpreis”, verspricht Lochotzke, “weil von der Idee über Fertigstellung bis zur Verwaltung alles in einer Hand und damit preiswerter ist.” Er will mit dieser Spitzenarchitektur dazu beitragen, Rostock zu einem Standort zu entwickeln, der sich durch außergewöhnliche Arbeitsbedingungen auszeichnet. “Unser Markt ist Europa”, sagt der 44-jährige Betriebswirt und setzt bei der Vergabe der Büros auf Interessenten aus aller Welt. “Wer bei uns 10.000 Quadratmeter mietet, kann im Vergleich mit ähnlichen Objekten in Hamburg beispielsweise 2,2 Millionen Mark Miete jährlich einsparen und dazu den Grundriss des Büros selbst gestalten”, wirbt Lochotzke für sein Projekt.
Von einem Büro-Überangebot will der Kaufmann nichts hören. Er vermiete bislang rund 50.000 Quadratmeter Bürofläche in der Hansestadt. “Ohne Leerstand.” Und das neue Konzept sei stimmig und für Rostock eine große Chance. Durch “ausgefeilte, perfektionierte Bautechnologie und internationale Spitzenarchitektur” entstehe hier ein neues Produkt. Damit müsse die Hansestadt werben, denn nur dadurch könne sie mit den traditionellen Wirtsachafts-Metropolen rund um die Ostsee konkurrieren, ist der Unternehmer überzeugt.
200 Millionen Mark wird der neue Gebäudekomplex am Vögenteich verschlingen, der zukunftsorientiert “Focus media” heißen wird. Doch die Banken stehen hinter dem Projekt, das 1500 neue Arbeitsplätze bringen soll, und werden es finanzieren, wie Lochotzke versichert. Bis zur Internationalen Gartenausstellung (IGA) im Jahre 2003 sollen die Glaspaläste fertig sein. Vielleicht werden sie eines Tages zum Wahrzeichen Rostocks. So wie die gläsernen Bürotürme des Architektur-Stars Jahn, die die Skyline Philadelphias prägen.

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